LUCAS CRANACH D.Ä.

(Kronach um 1475 – 1553 Weimar)

Aktfiguren tauchen in Deutschland schon im 13. Jahrhundert auf. Und mit Beginn der Renaissance – in Italien ab etwa 1400 – erwacht endgültig das Interesse von Bildhauern und Malern an der menschlichen Anatomie. Mit der immer perfekteren Darstellung schöner Körper kamen auch erotische Untertöne in die Kunst und damit auch die Lust an der Sinnlichkeit. Zunächst fand das männliche Aktbild immer öfter Eingang in die Malerei, weibliche Akte kamen verstärkter erst im frühen 16. Jahrhundert stärker auf.

Eine der Spezialitäten des Lukas Cranach waren perfekt gemalte erotische Darstellungen. Als einer der Ersten malte er nackte Körper und schuf ein zeitloses Ideal weiblicher Schönheit als zierlich eleganten Typus der Kindfrau. Seine Raffinesse besteht darin, mit den Lüsten von Künstler und Auftraggeber zu spielen. Er malt nicht zur privaten Befriedigung, sondern erfreut sich an der öffentlichen Begutachtung seiner Anzüglichkeiten. Einer seiner “Venus mit Amor“ – Darstellungen (s.links) zeigt die Liebesgöttin zwar nackt, aber mit „verhüllendem“ Schleier. Er ist durchsichtig. Er verhüllt nichts. Er reizt. Er erhöht die Lust am Nackten, weil er es als Enthülltes zeigt.

“Der Jungbrunnen“ von 1546 ist sein wohl berühmtestes Bild. Es handelt sich dabei um ein bekanntes und altes Märchenmotiv und einen Wunschort, an dem Tod und Vergänglichkiet überwunden werden. Das irdische Paradies mit seinem das ewige Leben verheißendem Quell, wurde fern im Osten vermutet. Auch Christoph Columbus wollte es noch finden. Das Thema hatte um 1500 eine erneute Aktualität gewonnen. Es erzählt über die menschliche Sehnsucht nach ewiger Jugend und Unsterblichkeit, vom Traum, die verbrauchte leibliche Hülle verlassen zu können, um verjüngt, frisch und voller Tatendrang wieder neu zu erstehen. Die Vorstellung von der reinigenden Kraft der Elemente, Feuer und Wasser, ist so alt wie die Menschheit selbst und die Legende von Alexander dem Großen und dem Jungbrunnen ist bereits seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. im Umlauf.

Das Zentrum des Geschehens bildet ein mit Wasser gefülltes Becken, der so genannte Jungbrunnen, in dem sich Badende vergnügen. Er liegt inmitten einer detailliert und phantasievoll gestalteten Landschaft fernab von menschlichen Ansiedlungen. Von links werden auf steinigen Wegen alte, gebrechliche Frauen auf Wagen und Karren herbeigefahren, getragen oder streben selbst voller Hoffnung dem Becken zu. Andere werden entkleidet und vom Arzt untersucht. Einige zögern oder bedürfen der Überredung. Im Wasser des Jungbrunnens verjüngen sie sich zusehends, um dann am rechten Beckenrand frisch und in jugendlicher Gestalt wieder zu erscheinen. Auf dem Brunnen im Wasserbecken sind die Figuren der Liebesgötter Venus und Amor zu sehen, Symbol für den Jungbrunnen als Liebesbrunnen und dafür, dass die wunderwirkende Kraft der Liebe der eigentliche Quell immerwährender Jugend ist. (Es scheint, dass nur Frauen des Bades zu bedürfen, während sich die Männer allein im Umgang mit diesen von selbst verjüngen).

Im Gegensatz zu den künstlerischen Darstellungen der Vorzeit wollte der Mensch der Renaissance die erhoffte Seligkeit und Makellosigkeit nicht erst im Jenseits, sondern schon im Diesseits erreichen. Renaissance heißt nicht nur Wiedergeburt der Antike, sondern auch und vor allem Wiedergeburt im Diesseits, Säkularisierung des Paradieses. Ewige Schönheit, Gesundheit und Jugend wollen wir hier schon erleben und nicht erst in einer fernen und ungewissen Zukunft nach dem Tod. Die Erotik liegt für mich hier vor allem in der unbekümmerten Zurschaustellung der Nacktheit und an der offensichtlichen Freude am eigenen Körper. Spielerisch berühren die Frauen einander und geben uns Raum für weiterführende Gedanken. Körperlich und geistig entspannt und in sich ruhend tanzen sie im Wasser, mit offenen Sinnen, quasi in Erwartung sinnlicher Genüsse und Reize. Die warmen und harmonischen Farben unterstreichen die angenehme Atmosphäre der Darstellung.

Lucas Cranach war kein brotloser Künstler. Er war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Reformationszeit, begütert und einflussreich. 1513 besaß er Grundstücke und Häuser in Wittenberg, erbaute sich in der Schlossstraße 1 (heute ein Cranach-Museum) das damals größte Wittenberger Privathaus und besaß einen Buchladen und eine Apotheke, wo er er das Monopol über Zucker, Wachs und Gewürze hatte und er handelte mit Wein, Sandstein, Papier und Farben. Um die vielen Aufträge aus ganz Europa zu bewältigen gründete er eine Buchdruckerei und eine Malwerkstatt. Seit 1505 war er Hofmaler des sächsischen Kurfürsten. Seine “Malerakademie”, eine der produktivsten in Europa, soll in 84 heizbaren Zimmern und 16 Küchen untergebracht gewesen sein, unvergleichlich in der damaligen Zeit. Seine Geschäftstüchtigkeit machte ihn zu einem der reichsten Männer Wittenbergs. Dreißig Jahre lang wirkte das Multitalent zudem als Ratsherr und wurde drei Mal zum Bürgermeister von Wittenberg gewählt.

seiner Frau Barbara, einer Tochter des Gothaer Bürgermeister Jobst Brengebier weiß man wenig. Sie soll eine stolze und schöne Frau gewesen sein, liebte den Reichtum ihres Mannes und Pelze. Man erzählt sich in Wittenberg, dass sich Barbara bitter beklagte, weil sie in den vielen Gemälden ihres Mannes nie auftauchte. Irgendwann muss er wohl entnervt nachgegeben haben, denn im berühmten Cranach-Altar in der Wittenberger St. Marienkirche soll Barbara zu sehen sein, von hinten und in dickem Pelz! Spötter behaupten, Cranach konnte sie deshalb nicht von vorn zeigen, da sie ihm als Modell für seine “nackerten Weiber” gedient habe und so jeder ihr Gesicht kannte.

Er war populärer und wirtschaftlich noch erfolgreicher als sein berühmter Zeitgenosse Albrecht Dürer.

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