Die Abbildung eines unbekleideten und wohlgeformten menschlichen Körpers ist wahrscheinlich so alt wie die zivilisierte Menschheit, die sich unter anderem durch die Fähigkeit und das Verlangen sich künstlerischen auszudrücken, vom Tier unterscheidet. Schon die Antike erfreut uns in höchstem Maße mit der Darstellung vollkommener Körperlichkeit, meist in Marmor gemeißelt. Die Neuzeit bietet neben einer wesentlich realistischeren Abbildung auch Werke, die nicht mehr an der Schönheit des Leibes Interesse haben und auch das Alter oder die Unförmigkeit mehr oder weniger unverhüllt preisgeben. Stellenvertretend für die vielen von großen Künstlern erschaffenen Kunstwerke, soll hier die vom Bildhauer und Maler Michelangelo Buonarroti gefertigte Skulptur des biblischen Davids erwähnt werden, der den Riesen Goliath besiegte. Weiterhin erwähnenswert, da allgemein bekannt, ist wohl die „Nackte Maja“, ein bildliches Meisterwerk des spanischen Malers Francisco de Goya.

„Im Schoße der Natur“ (Koppitz, 1925)

War die künstlerische Darstellung eines unbekleideten Menschen einst eine Domäne der bildenden Künste, so eroberte die Fotografie nur nach und nach ihren angemessenen Platz in diesem Genre. Zum Teil lag das an den langen Belichtungszeiten, die noch im 19. Jahrhundert erforderlich waren, um ein Motiv abzulichten. Doch auch die damaligen Gesetze standen der Verbreitung von Aktfotografien im Wege. Das änderte sich im 20. Jahrhundert, die fotografischen Aufnahmetechniken verbesserten sich bis zur heutigen Perfektion und die sittlichen Vorstellungen lockerten sich, mit dem „Sittenverfall“ die Gesetzlichkeiten.
Eine Abgrenzung der Aktfotografie zum Gebiet der erotischen Fotografie ist in der Form gegeben, dass bei der Aktfotografie mehr die Schönheit und Ästhetik des menschlichen Körpers im Vordergrund steht und nicht der Zwang sexuelle Phantasien zu beflügeln. Beide Bereiche der Fotografie besitzen jedoch Parallelen und überschneiden sich zuweilen.

„Nike-Women“ (Annie Leibovitz)

Während es sich bei der erotischen Fotografie oftmals um reine Studiofotografie handelt, so ist bei der Aktfotografie beinahe jede Kulisse geeignet. Ob in natürlicher Umgebung am Meeresstrand oder auf einer blühenden Sommerwiese, ob in einer Maschinenhalle oder auf der Motorhaube eines Sportwagens, ob auf einer Landstraße oder vor einem stofflichen Hintergrund, allein der Geschmack und das ästhetische Kunstgefühl des Fotografen setzt hier Grenzen.

Fotografie von Gunter Sachs

Aktfotografie bedeutet jedoch nicht in jedem Fall, dass ein menschlicher Körper unbedingt in voller Größe und in völliger Blöße abzulichten ist. Auch hier können Teilbereiche mit entsprechenden stofflichen Hilfsmitteln und anderen passenden Accessoires verhüllt bleiben. Einige Aktfotografen beschränken sich völlig auf Detailaufnahmen, eine Regel gibt es kaum. Unschön wirken hingegen viele Aufnahmen, denen anzusehen ist, dass das Modell nur unter der Bedingung mitspielen wollte, dass ihr Gesicht nicht zu erkennen ist. Unter diesen Voraussetzungen, dass ein Modell nicht voll mitspielt, werden selten gute Aktfotografien mit künstlerischem Niveau gelingen. Ein Aktfotograf kann nicht mehr durch die Linse einfangen, als ein Modell ihm freiwillig anzubieten hat und Ausstrahlung kommt nun einmal nicht von allein.

Fotografie von David Hamilton

 

BUCHEMPFEHLUNG

„more than nude – fine art photography“ ist ein Bildband mit rund 120 großformatigen, weiblichen Aktfotografien, die nicht nur den männlichen Betrachter in den Bann ziehen. Die Nacktheit der Frauen steht nicht im Mittelpunkt, sondern die Einbindung in eine kunstvolle Bildkomposition. Die feminine Schönheit wird in zahlreichen Facetten gezeigt – manchmal subtil verführend, manchmal provozierend erotisch, aber immer ästhetisch. Der Fotograf Kristian Liebrand hat zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen erhalten. Seine Werke wurden in vielen Städten ausgestellt und in zahlreichen Medien veröffentlicht. Dieser Bildband zeigt einen Querschnitt seines künstlerischen Schaffens und lädt Liebhaber der (erotischen) Fotografie immer wieder zum Durchblättern ein.

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