HANS BALDUNG genannt GRIEN

(Schwäbisch Gmünd 1484 oder 1485 – 1545 Straßburg)

war einer der bedeutendsten deutschen Maler des 16. Jahrhunderts und wahrscheinlich der begabteste Schüler Albrecht Dürers. Er stammte aus einer Gelehrtenfamilie und trat vermutlich 1503 als bereits ausgebildeter Geselle in die Werkstatt Dürers in Nürnberg ein. Aus dieser Zeit scheint jedenfalls sein Rufname Grien herzurühren, der auf eine Vorliebe für diese Farbe oder auf ein grünes Festtagskleid des Malers anspielen könnte.

1509 übersiedelte Baldung nach Straßburg, erwarb dort das Bürgerrecht und heiratete Margarete Herlin, die Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns. Neben steigendem Wohlstand durch einen florierenden Immobielienhandel brachte es Baldung Grien in Straßburg zu hohem gesellschaftlichen Ansehen und Einfluss. Seine merkantilen und gesellschaftlichen Aktivitäten traten aber keineswegs an die Stelle des künstlerischen Werkstattbetriebs. Baldung blieb ein gefragter Maler.

Während seiner gesamten Schaffensphase wandte sich Baldung immer wieder seinem Lieblingssujet zu: dem Frauenkörper. Er war fasziniert, ja geradezu besessen vom nackten weiblichen Körper, den er immer wieder neu darstellte: als sündige Eva oder als blutjunge, vom Tode bedrohte Schönheit. Vor allem aber dienten ihm die weiblichen Akte zur Gestaltung eines Themas, das in jener Zeit die Gemüter bewegte und an das sich vor ihm kaum ein Künstler gewagt hatte: die Darstellung von Hexen.
Sein Frankfurter Gemälde “Die zwei Hexen” (s.links) bietet nicht nur einen Ausflug in die Welt der schwarzen Magie; der zeitgenössische Betrachter wurde vielmehr durch das Bild zu Reflexionen über die unterschiedlichsten Themen angeregt: über die erotische Ausstrahlung der Frau, über käufliche Liebe und ihre möglichen Folgen wie die Syphilis, sowie auch über die Gesetzmäßigkeiten körperlicher Schönheit.

 


Für Baldung bedeutet Erotik Verführung durch die weibliche Sexualität und er identifizierte die Ursünde mit dem Geschlechtsakt. Daraus folgt, dass der Preis der irdischen Wonnen die Sterblichkeit ist. Und weil Eva die Schuld an der Ursünde trägt, stellt er junge, sich entblößende Frauen dar, die der Tod verfolgt oder sogar mit einem Kuss oder zärtlichen Liebesbiss bedrängt wie bei “Der Tod und die Frau” (rechts):

So verbindet er in seinen Werken Liebe, Sünde und Tod zu einem geheimnisvollen Dreiklang. Der Verlust des Paradieses ist für ihn auf verhängnisvolle Weise an die menschliche Sexualität gekoppelt.

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