FRANZ VON STUCK

(Tettenweis 1863-1928 München)

Er wurde im Landkreis Passau in Niederbayern als Sohn eines Bauern geboren und konnte schon bald nach seinen Studien erste Erfolge verbuchen. 1892 war er Mitbegründer der Sezession und ab 1895 ein geschätzter Professor an der Münchner Akademie, wo er unter anderem den russischen Maler Wassily Kandinsky (1866-1944) und den deutsch-schweizerischen Maler Paul Klee (1879-1940) unterrichtete.  1906 erfolgte die Erhebung in den Adelsstand, gefolgt von weiteren Ehrungen.

»Der Mensch als sinnliches und triebhaftes Wesen« (Heinrich Voss), mit diesen Worten kann das Werk Stucks treffend beschrieben werden. Seine Darstellung meist erotischer Themen, oft der antiken Mythologie oder der christlichen Ikonografie entnommen, entsprachen nicht nur dem Zeitgeschmack, sondern spiegeln fraglos den Zeitgeist um 1900 wider. Wenn bei Gustav Klimt von der Femme fatale die Rede war, von der zeittypischen Vorstellung vom Wesen der Frau als Bedrohung für den Mann, so spielt das selbe Thema auch in der Darstellung der Frau bei Franz von Stuck eine zentrale Rolle. Auch bei Stuck wird die Frau oft zur grausamen Verführerin, die den Mann in die Nähe von Tod und Untergang führt. „Die Sünde“,1893, (s. links) ist ein wunderbares Beispiel.

Bedrohlichkeit und Verführung sind meisterhaft durch die Farbgebung ausgedrückt. Die Körper der Frau, das Sinnbild für die Sexualität, wächst aus dem Dunkel ins gleißende Licht. Im Hintergrund rechts in orange-roter Farbe ein loderndes Feuer. Das Gesicht ist noch in ein mystisches Halbdunkel getaucht, was der Frau etwas Undurchsichtiges und Geheimnisvolles verleiht. Doch der Körper ist strahlend hell und verlockend. Er ist schön und weiß, er ladet ein und fordert auf. Schwer und schwarz liegt die Schlange auf ihren Schultern und schlingt sich um ihren provozierenden Körper. Sie ist das Symbol der Verführung und des nahenden Untergangs, ebenso wie der gefährlich lockende Blick der Frau. Sie ist gleichermaßen Objekt der Begierde und der Untergang des hilflos ihren Reizen ausgesetzten Mannes. Noch stärker wird dies in dem „Kuss der Sphinx“, 1895, deutlich.

Im zu Grunde liegenden Mythos lauert die Sphinx am Weg nach Theben Reisenden auf und stellt ihnen ein Rätsel. Wenn die Kandidaten es nicht lösen, werden sie zerrissen. Auch hier wieder herrschen die dunklen Farben vor, während die Figuren durch präzise Umrisslinien konturiert sind. Die Sphinx ist halb Frau, halb Raubtier, räuberisch und heimtückisch. Doch ihr Kuss ist verführerisch und so gibt der Mann sich ihr wider besseres Wissen hin. Damit ist sein Verderben besiegelt. Sie hält ihn in ihren Klauen und trotz seines starken und muskulösen Körpers kann er sich nicht mehr befreien. Ihre mächtigen Pranken umklammern seinen Brustkorb, ihre Brust, in provokanter Nacktheit und fast ordinärer Pose, sowie ihre langen Haare, die wie eine Mähne herabfallen verstärken noch den Eindruck der Umklammerung. Und doch wird eine unglaubliche Lust fühlbar, vor einem blutroten Himmel, eine Szene von höchster erotischer Intensität. Ein wollüstiger Taumel in den Tod.

Stuck war ein Universalkünstler, der neben seinen Gemälden auch Plastiken, Mosaike, Möbel und die Pläne zu seiner Münchner Villa entwarf. Seine Bedeutung reicht weit über seine Zeit hinaus, als sein Werk als Bindeglied zwischen der Kunst des 19. Jahrhunderts und der Moderne eingestuft werden kann.

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