Traumhafte Erotik bei Blake

Widerspruch und Gegensatz

 

William BlakeWilliam Blake (London 1757 – 1827) war der Sohn eines reichen Kaufmanns, der eine eine Privatausbildung erhielt. Er hatte bereits mit vier Jahren Visionen, las mystische Bücher und begann im Alter von 10 Jahren zu zeichnen.

Seine Ansichten und Lehren sind seiner Zeit weit voraus. Blake glaubte an die Gleichheit der Rassen und Geschlechter. Sklaverei und Materialismus verabscheute er. Er misstraute dem Kirchenwesen. Stattdessen entwickelt er eine naturnahe Spiritualität. Blakes stärkste Kritik an der christlichen Lehre ist, dass sie die natürlichen menschlichen Triebe und einen lebensfrohen Wandel unterdrückt.

Seiner Meinung nach ist die Freude der Menschen ein Lobpreis Gottes. „Wer begehrt, aber nicht handelt, brütet die Pest aus“

Blakes Grundprinzip ist der Widerspruch. Mit den „Liedern der Unschuld und Erfahrung“ stellt er jeweils ein Objekt aus verschiedenen Perspektiven vor. Mit dieser Kontrastbildung bildet er die gegensätzlichen Zustände der menschlichen Seele ab.

„Ohne Gegensätze gibt es kein Fortschreiten“, sagte Blake an anderer Stelle. „Anziehung und Abstoßung, Vernunft und Energie, Liebe und Hass sind unentbehrlich für das Dasein des Menschen.“

Das Element des Widerspruchs ist auch das Kernstück von Blakes wohl wichtigstem Werk „Die Hochzeit von Himmel und Hölle“, eine Sammlung von Prosa, Gedichten und Illustrationen. Blake erklärt die existenziellen Gegensätze – Gut und Böse, Himmel und Hölle – abseits jeglicher moralischer Deutung als unerlässlich und postuliert ihren Kampf und schlussendlich ihre Vermählung als Begründung des Universums und des Individuums.

Blake – “Der große Rote Drache”

Wenn auch von seinen Zeitgenossen miss- und unverstanden, so lebte der streitbare Verfechter für sexuelle Freiheit allem Anschein nach äußerst glücklich mit seiner fünf Jahre jüngeren Ehefrau Catherine Boucher zusammen, die, einem Freund zufolge, „die Verrückteste von beiden“ ist. „Die Straße des Exzesses führt zum Palast der Weisheit“ – es wird nicht leicht sein, Bilder zu entdecken, die von so packender sinnlicher Ausstrahlung sind, wie die Werke William Blakes, selbst wenn sie die Sexualität nicht zum eigentlichen Thema haben.

William Blake-Der große rote Drache und die Frau mit der Sonne bekleidet
“Der große Rote Drache”

In dem Bild “Der große Rote Drache und die Frau, mit der Sonne bekleidet” verströmen sich die Freiheit der Lust und das Glück des Augenblicks in der Göttlichkeit der Schöpfung und in den Farben des zweigeteilten Universums zu einer ersehnten Umarmung von Gut und Böse.

William Blake-Die Visionen der Töchter Albions
„Die Visionen der Töchter Albions“

William Blakes Dichtung „Die Visionen der Töchter Albions“ handelt von den gesellschaftlichen Zwängen, die der Sexualität aufgedrängt werden. Es ist 1793 entstanden und wird von Kritikern manchmal als ein frühes Manifest der freien Liebe bezeichnet.

Das Bild zeigt, von rechts nach links, Bromion, Oothoon and Theotormon. Oothoon, die Theotormon liebt und von ihm geliebt wird, trifft auf Bromion, der sie in rascher Folge vergewaltigt, schwängert und als Hure verstößt. Der eifersüchtige Theotormon sagt sich daraufhin von ihr los.

Oothoon ist bei Blake die Idealfigur der körperlichen Freiheit, Sinnbild entgrenzter Sexualität und Verkörperung des weiblichen Eros. Sie repräsentiert eine wilde und ungezähmte und daher unschuldige Sexualität. Theotormon, bei Blake, ist unterdrücktes Begehren. Als Opfer seiner eigenen überzogenen Moralvorstellungen erschöpft er sich am Ende in selbstquälerischen Grübeleien und Klagen. Er wird zum Sinnbild der Unterdrückung durch die jüdisch-christliche Moral. Bromion, der Vergewaltiger ist bei Blake ein Aspekt des logisch‐abstrakten Denkens.

„Der Garten der Liebe“

Ich begab mich zum Garten der Liebe
und sah, was noch nie ich gesehn:
Eine Kirche erricht’ in der Mitte,
wo ich pflegte spielen zu gehn.
Und die Pforte der Kirch’ war verschlossen
und “Du Sollst Nicht” graviert überm Tor:
So ging ich zum Garten der Liebe,
wo Blumen blühten zuvor.
Und ich sah ihn gefüllt mit Gräbern
und statt Blumen Grabsteine nur,
wo schwarze Pastoren,
dem Rundgang verschworen,
mit Dornzweigen fangen
mein Lust und Verlangen.

Blake-Oberon, Titania and Puck with Fairies Dancing
„Oberon, Titania and Puck with Fairies Dancing“

Titelbild: „Temptation and Fall of Eve“ – Detail

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William Blake, Dantes Göttliche Komödie
William Blake, Dantes Göttliche Komödie

Auszug aus der Beschreibung:

„Zwei Genies erkunden das Jenseits: William Blakes 102 Bildtafeln zur „Divina Commedia“ gelten Dante-Experten als gelungenste und kongeniale Interpretation des Dante’schen Universums. Dem britischen Künstler und Mystiker gelang es, die visionäre Kraft von Dantes Sprache in Bilder von suggestiver Kraft und verblüffender Modernität zu übersetzen. Mit ausführlichen Erläuterungen und zahlreichen Ausschnittvergrößerungen.“

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